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Reihe: Umbrae Poetarum Nr. 4

William Hazlitt: LIBER AMORIS - Das Buch der Liebe

William Hazlitt

LIBER AMORIS – Das Buch der Liebe

Übersetzt und erläutert von Peter Priskil


Peter Priskil

Ein früher Fall Polanski

Über den Autor

kartoniert, 206 S., 11 Abb.
Format 20 x 26 cm
EUR 24,80
ISBN: 978-3-89484-903-0
1. Auflage 2016

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Im ›Liber Amoris‹ – einem Skandalon der englischen Literaturgeschichte – beschreibt William Hazlitt (1778-1830) seine unglückliche Liebe zur Schneiderstochter Sarah Walker. Im sexualprüden viktorianischen England wirkte das Buch wie »ein Schuß im Konzertsaal«. William Hazlitt war der glänzendste Essayist seiner Zeit, ein gefragter Porträtmaler, ein ausgewiesener Shakespeare-Kenner und ein versierter Kunstkritiker. Er war überdies aber ein Anhänger der Aufklärung und der Französischen Revolution und in dieser Eigenschaft ein scharfzüngiger Kritiker der britischen Kriegspolitik gegen Napoleon sowie ein eingeschworener Feind des feudalen Bündnisses von Thron und Altar. Diese Mächte der Finsternis und ihre Mundstücke in Gestalt der damaligen Lügenpresse gingen zielstrebig daran, Hazlitt an den Pranger zu stellen und existenziell zu vernichten – »ein früher Fall Polanski«. –

Deutsche Erstübersetzung!


Inhalt
  • Vorbemerkung
  • William Hazlitt
    Liber Amoris – Das Buch der Liebe
  • Erläuterungen zum Text
  • Bildteil
  • Peter Priskil
    Ein früher Fall Polanski
  • Literatur



Vorbemerkung

Die vorliegende Übersetzung – es ist die meines Wissens erste Übertragung des ›Liber Amoris‹ ins Deutsche – weist einen »Schmidt’schen Vergrößerungsfaktor« von 1,29 auf. Arno Schmidt, der sich aus schieren Überlebensgründen in den Frondienst des Übersetzens spannte und dabei Außergewöhnliches zuwege brachte – man denke allein an seine leider nur noch antiquarisch erhältliche Littlepage-Trilogie von James Fenimore Cooper –, hatte einst dekretiert: »Die alleräußerlichste, jedem Leser bei der Beurteilung von Übersetzungen aus dem Angelsächsischen anzuempfehlende Klugheitsregel, ist die Vergleichung des Umfangs des Originals mit dem betreffenden deutschen Buch. [...] Weiterhin ist jedem, nicht nur ›Fachmann‹ sondern sogar Schüler, sattsam bekannt, daß die ›Einsilbigkeit‹ des Englischen, und noch mehr des Amerikanischen, bei der Verwandlung ins Deutsche den Ansatz eines ›Vergrößerungsfaktors‹ notwendig macht. Bei sehr sorgfältig gearbeiteten Übersetzungen dürfte er immer noch 1,1 betragen; (es gibt aber Bücher – ich besitze eine deutsche JANE EYRE – wo er 1,4 ist; da kann man auf Anhieb sagen, daß der Übersetzer ›umschrieben‹ hat, also geschwatzt). (Dieser Faktor ist, versteht sich, bei jeder anderen Sprache natürlich verschieden: wenn ich im Burmesischen lese von der ›Zeit, wo der jüngere Bruder dem älteren Bruder begegnet, ihn nicht erkennt, und ihn dennoch erkennt‹, und dann erfahre, daß das unserer schlichten deutschen ›Dämmerung‹ entspricht – ei, dann bin ich froh, daß ich, wie so Vieles andere, auch Burmesisch nicht verstehe).« (A.S., Von deutscher Art und Kunst, in: Bargfelder Werkausgabe Bd. III/4, S. 9) Und an anderer Stelle bekräftigte der Meister nochmals: »Das Original [von Coopers ›Conanchet‹] umfaßt 1 Million Buchstaben; ergo hat, infolge der ›Einsilbigkeit‹ des Englischen, der bekannte ›Schmidt’sche Vergrößerungsfaktor‹ (Achtung: Honorarberechnung !) zur Anwendung zu kommen, der bei bester Arbeit immer noch 1,10 beträgt. Es gibt kein sichereres Mittel, um Übersetzungen aus dem Englischen grob zu testen: wenn er darunter liegt, hat man gekürzt; ist er höher, verwässert.« (A.S., Schutzrede für ein graues Neutrum, in: ebd., S.349).
    Nach dieser strengen Maßgabe muß selbstkritisch vermerkt werden, daß ein Faktor von 1,29 eher zum Verwässern oder »Schwatzen« tendiert als zur reinen dehydrierten Prosa. Einige Gründe haben mich dennoch bewogen, den Text in der vorliegenden Form zu belassen. Schmidts Diktum war mir vor Beginn der Arbeit bekannt, und so besann ich mich von vornherein auf Kürze und Präzision des Ausdrucks, mit Ausnahme jedoch jener Passagen, die den Leser von Hazlitts Bericht besonders ansprechen: einfühlsame Landschaftsschilderungen zum Beispiel oder emotionale Exaltationen wie unmäßige Eifersuchtsanfälle oder verzweiflungsbedingten Stupor; hier habe ich mir den Luxus des »Ausmalens« ein wenig gegönnt. Zweitens stimmt es etwas tröstlich zu erfahren, daß dem Meister selbst solche »Ausrutscher« unterlaufen sind, und zwar in der beachtlichen Größe von 1,8 bzw. 2,2; freilich nur bei einzelnen Sätzen. (Siehe das Nachwort zu Edward Bulwer-Lyttons endlich wieder zugänglichen, dazu sehr schönen Ausgabe von ›Was wird er damit machen? Nachrichten aus dem Leben eines Lords‹ in Schmidt’scher Übertragung. Als seine Frau Alice ihn auf diese Lapsus aufmerksam machte und Verbesserungsvorschläge mit Verweis auf den entsprechenden »Vergrößerungsfaktor« unterbreitete, reagierte dessen Urheber durchaus ungehalten bis gereizt – je nun, es kann wirklich gute Gründe für die Ausnahme von der Regel geben.1)) Drittens schließlich hielt mich der zeitliche Aufwand von der fünften peniblen Durchsicht und Überarbeitung ab. Seit nunmehr zweieinhalb Jahrzehnten sind wir zwangsläufig Zeugen, wie die letzten souveränen Staaten verheert und zerstört, ihre Bewohner zu Millionen ermordet oder vertrieben werden und der Krieg gegen Rußland immer näher rückt. Die monoimperialistischen Verbrechen der USA und ihrer Vasallen fordern auch in den europäischen US-Kolonien ihren Tribut an Zeit, Geld und Energie, allein schon für die Abwehr von willkürlich und in räuberischer Absicht erhobenen Gebühren wie die Propagandasteuer GEZ. Es sind schlechte Zeiten für die Musen – aber sie wären noch sehr viel schlechter, wenn man sie nicht zu Gehör kommen ließe.
    Damit sei Hazlitts sonderbares Buch dem Publikum überantwortet. Der »Fachmann« möge entscheiden, ob denn auch alles stimmt; der Leser, ob es gefällt.

Der Übersetzer


Fußnote:

1) Die Übersetzung von »You are an angel« muß zweifelsohne lauten: »Du bist ein Engel« – korrekt, aber etwas farblos und bei einem Buchstaben Differenz mit dem formidablen Schmidt-Faktor von 1,08. Wenn wir uns aber einen echauffierten Liebhaber vorstellen, der hingerissen stammelt: »Du bist ja so ein Engel« (ergänze: »daß es mir die Sprache verschlägt«), dann beläuft sich der Faktor bereits auf bedenkliche 1,38. Übersetzen wir den Satz in ein heutiges Jugendidiom (oder was ich dafür halte), auch wenn es zu Hazlitts Text überhaupt nicht paßt, was aber einmal dahingestellt sei, dann müßte der moderne Romeo in etwa sagen: »Du turnst mich voll krass an, ey«. Der Schmidt-Faktor betrüge in diesem Fall katastrophale 1,92 und hätte seinen Urheber wenn nicht über den Untergang des Abendlands, so doch der deutschen Sprache räsonnieren lassen.




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