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Reihe: Unerwünschte Bücher zur
Kirchen- und Religionsgeschichte Nr. 13

Hubertus Mynarek - Luther ohne Mythos

Hubertus Mynarek

Luther ohne Mythos

Das Böse im Reformator

Über den Autor

3. erweiterte Auflage
149 S., 1 Abb., EUR 12,80
ISBN 978-3-89484-609-1

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Das wohl erste Buch über Luther, das dem deutschen Reformator nicht »ökumenisch« lobhudelt, sondern seine Lehre als ein Ganzes vorführt, deren tiefe Inhumanität nur erschrecken kann.


Inhalt
  • Editorische Notiz und Siglenverzeichnis
  • Vorwort
  • I Luthers Bekehrungserlebnis
  • II Luther und der Papst
  • III Luther und die Bauern
  • IV Luther und die Ketzer, Hexen, Sektierer
  • V Luther und die Juden
  • VI Luther und die Frauen
  • VII Luther und die Sexualität
  • VIII Luther und der Staat
  • IX Luther und die Philosophie bzw. Vernunft
  • X Luther und die Willensfreiheit bzw. Ethik
  • XI Luther und Gott
  • Anhang 1: Aus den Protokollen der Nürnberger Prozesse
  • Anhang 2: Gedanken zu Luther und zur Reformation (Fritz Erik Hoevels)
  • Literaturverzeichnis
  • Nachweis der Luther-Zitate





Vorwort

Das Jahr 2017 wird für die evangelische Kirche und auch für die politischen Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland ein besonderes Jahr. Ganz groß und mit zahlreichen Veranstaltungen vor, während und nach diesem Datum werden sie gemeinsam, wie es sich für eine Staatskirche und einen Kirchenstaat gehört, den fünfhundertsten Jahrestag von Luthers Thesenanschlag begehen. Zwar gehört die Behauptung, Luther habe seine 95 Thesen gegen die magisch-zauberische Kraft des Ablasses, den die römisch-katholische Kirche erteilte, 1517 an der Schloßkirche von Wittenberg angeschlagen, aller Wahrscheinlichkeit nach in den Bereich der Legende (er hat sie offenbar lediglich einem Brief an seine Vorgesetzten beigefügt). Aber bereits mit diesem Datum beginnt der »Mythos Luther«, seine Erhebung zu einer Kultgestalt, das Heldenlied von ihm als dem verwegen mutigen Manne, der sich ganz allein als kleiner Mönch dem gewaltigen Herrschaftsapparat des Papsttums und des Kaisers entgegengestellt habe. Als dieser tapfere Ketzer in der Mönchskutte wird er uns Heutigen ja auch in Film und Fernsehen vorgestellt.
    Gegen Mythisierung, Mystifizierung, Sakralisierung ist kein Kraut gewachsen. Die Masse will Heroen, Stars, Heilige, und die Kirchen unterstützen das – oder verschweigen die negativen Seiten des in die höchsten Regionen Erhobenen. So verschweigen auch die Bischöfe, Superintendenten und die anderen in der evangelisch-lutherischen Kirche etwas zu sagen Habenden eine grundlegende Dämonie in Luthers Charakter und Persönlichkeit, die ihn dazu trieb, wüsteste und brutalste Hetzreden und -aufrufe gegen eine Unzahl von Menschen und Menschengruppen zu halten bzw. zu verfassen und allen Ernstes, mit allem Nachdruck ihre Vernichtung und Auslöschung zu fordern.
    Was Luther gegen und über den Papst und das Papsttum sagte (vor allem in seiner Schrift ›Wider das Papsttum zu Rom, vom Teuffel gestiftet‹), was er an gräßlichen Haßbildern gegen diese Institution anfertigen und verbreiten ließ, läßt jede Polemik heutiger Kirchenkritiker blaß und geradezu vornehm erscheinen. Was Luther gegen Frauen, Ketzer, Sektierer, Leibeigene, die keine mehr sein wollten, Juden, Prostituierte, gegen die Philosophie, Philosophen und Humanisten an schärfstem Gift versprühte, ist auf seine Weise negativ einzigartig, weil ihm diesbezüglich kein anderer Religionsstifter, kein Reformator auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Selbst der Koran und der Talmud in ihren negativen Aussagen über bzw. gegen Nichtgläubige können da im Vergleich zur geballten Wucht von Luthers mörderischen Hetztiraden nicht mithalten.
    Kein Wunder, daß ihn Friedrich Nietzsche deshalb ein »Unglück von einem Mönch« nannte und der neomarxistische Philosoph Ernst Bloch ihn zu den »großen Selbsthassern« zählte, der die ganze Welt und Menschheit als »Widerschein« seiner existentiellen und ethischen Verzweiflung erlebte. Andere seriöse Kritiker sind in ihrem Urteil über Luther eher noch schärfer. Luthers Menschenbild und seine Thesen zur Sexualität seien »eine verderbliche Perversion, ein Verbrechen am Menschen und ein wuchernder Wahn« urteilt W. Ronner, Autor des Klassikers ›Die Kirche und der Keuschheitswahn‹. Die Rechtsanwälte C. Sailer und G.-J. Hetzel begründen in ihrer Schrift über gewisse verfassungsfeindliche Umtriebe in allen Einzelheiten, daß »Luther nach heutigem Rechtsverständnis ein Krimineller war, den der Staatsanwalt sofort verhaften ließe, wenn er seiner habhaft würde – wegen Volksverhetzung (§ 130 StGB), Anstiftung zum Mord (§§ 26, 211 StGB), Anstiftung zum Landfriedensbruch (§§ 26, 125 StGB) und Anstiftung zur schweren Brandstiftung (§§ 26, 306 StGB)«. (Natürlich nur, wenn besagter Staatsanwalt von dem Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz ausgeht – aber das sollte er ja.)
    In Wirklichkeit unternimmt der Staat selbstverständlich nichts gegen die evangelisch- lutherische Kirche, weil die verantwortlichen Politiker freiwillige Ignoranten in bezug auf die Gesamtheit der Lehren Luthers sind, weil ihr Lutherbild ein alle negativen Aspekte ausklammerndes, geschöntes ist, indem sie von Luther nicht mehr wissen noch wissen wollen, als was ihnen im konfessionellen Religionsunterricht der Schule beigebracht wurde, und weil viele wichtige und einflußreiche Positionen in Staat und Gesellschaft von evangelisch-lutherischen Kirchenmännern und -mitgliedern besetzt sind, die ihrerseits als Verbündete der heutigen Papstkirche gegen weniger staatsverwobene Religionsgemeinschaften zu betrachten sind. Angesichts der weitverbreiteten Ignoranz der Politiker und weiter Kreise der Gesellschaft bezüglich der fatalen Negativität und Destruktivität der Lehren Luthers können evangelische Bischöfe ohne Furcht vor Protesten das Erbe Luthers weiter anpreisen und empfehlen. So erklärte z.B. der evangelische Landesbischof von Loewenich in einer Botschaft im Internet: »Wir wollen das geschichtliche Erbe der lutherischen Tradition bewahren als unsere kulturelle und geistige Heimat.« Das Erbe Luthers ist tatsächlich überall präsent: Es gibt Martin-Luther-Straßen, Martin-Luther-Denkmäler, Martin Luther-Schulen und -kirchen. Sein Bild hängt in den Amtsstuben lutherischer Bischöfe und Pfarrer. Kein Mensch nimmt daran Anstoß, obwohl dieser mehr als berechtigt wäre.
    Auch nicht die katholische Kirche! Der Ratzinger-Papst hat zwar in seiner vorherigen Position als Chef der Glaubenskongregation der evangelischen Konfession das Attribut, Kirche zu sein, abgesprochen. Aber ausschlaggebend für diese Qualifizierung waren sicher nicht das Negative an Luther, nicht das Inhumane seiner Taten, Lehren und Reden, sondern vor allem die gravierenden Unterschiede in den Auffassungen der beiden Kirchen bezüglich des Papstamtes, des Bischofs- und Priesteramtes und der Eucharistie. Die tödlichen und todbringenden Verdammungen ganzer Menschengruppen durch Luther – was interessiert das die Herren der Kirche, wenn und wo es um das doch »viel wichtigere « und über das Heil mitentscheidende Amts- und Eucharistieverständnis der allein seligmachenden Kirche geht, um das Seelenheil und nicht um das Heil des Leibes, den ja auch die katholische Inquisition, nicht bloß Luther, hunderttausendemal um der Rettung der Seele willen in den Abgrund des Todes geschickt hat. Das Interesse an Dogmen und Paragraphen, an der Reinheit der Lehre und des Kirchenrechts, war der Kirche schon immer wichtiger als der konkrete leidende Mensch.
    Zwar verstand es gerade die römisch-katholische Kirche schon immer, gestenreich und mit großen Gebärden die Menschen zu täuschen und ihnen Güte, Liebe, Versöhnungsbereitschaft vorzuheucheln. Dazu eignete sich diesmal ganz vortrefflich der Auftritt von Papst Benedikt alias Ratzinger im Augustinerkloster zu Erfurt anläßlich seines Deutschlandbesuchs im September 2011. War doch Luther im Juli 1505 in Erfüllung eines bei einem schrecklichen Unwetter abgelegten Gelübdes Augustinermönch in diesem Kloster geworden und hatte er doch ebenda im April 1507 die Priesterweihe erhalten. Die Protestanten waren also erfreut und dankbar ob dieser Geste des Papstes und knüpften daran schon wieder Hoffnungen an größere Fortschritte in der ökumenischen Versöhnung der beiden Kirchen. Darin täuschten sie sich aber gewaltig. Konzessionen an die evangelische Kirche machte der Papst – diesbezüglich eiskalt und stahlhart – in keinerlei Weise.
    Im Gegenteil: Der schlaue und listenreiche Fuchs Ratzinger könnte mit seinem Besuch im Erfurter Kloster sogar noch etwas ganz Anderes bezweckt haben: »Seht her, Ihr abtrünnigen Protestanten, ich besuche dieses Augustinerkloster in Erfurt, weil da Euer Luther noch ein braver katholischer Ordensmann und Priester war, wohlgemerkt mit katholischer Priesterweihe, die Ihr abgeschafft habt und nicht als Sakrament anerkennt.« Nie hat ja das Papsttum, nie der Vatikan, nie der Ratzinger-Papst, der nach der Devise »right or wrong, my church« lebt und handelt, vergessen und vergeben, daß ihnen die Reformation fast halb Europa aus ihrem Herrschaftsbereich entrissen hat. Und nie werden die Herren da oben in der Chefetage der katholischen Hierarchie die Ökumene anders verstehen denn als Rückkehr der verlorenen nichtkatholischen Schafe in den Pferch der allein seligmachenden Mutter Kirche und als bedingungslose Anerkennung der legislativen, judikativen und exekutiven Oberhoheit des Papstes.
    Da kann ein Hans Küng seit Jahrzehnten noch so bitten und betteln, der Papst möge sich doch zu einem lediglich seelsorgerischen, also »pastoralen Petrusdienst« ohne juristische Befugnisse und Kompetenzen herabstufen lassen, er gilt den Verantwortlichen im Vatikan nur als Narr ohne jeglichen Einfluß auf die kuriale Politik, den sie ohne jegliche negative Konsequenzen für ihn einfach gewähren lassen. Immerhin fungiert er ja als »nützlicher Idiot der Kirche«, wie ihn einmal ein Kollege von der Tübinger katholisch-theologischen Fakultät qualifizierte, weil er die Intellektuellen in der Kirche an der Stange hält, die sich sagen: »Wenn der gelehrte Küng da drin bleibt, muß es ja doch noch Sinn machen, in der Kirche zu bleiben.«
    Um zu unserem engeren Thema zurückzukommen: Nach dem Gesagten konnte also auch der Papst bei seinem Auftritt in Erfurt kein Interesse daran haben, die dämonischen, inhumanen Züge in Luthers Charakter zur Sprache zu bringen.
    Und die deutschen Bischöfe? Die stecken in einem Dilemma. Gegen den Papst wagt keiner aufzubegehren, aber das ökumenische Klima wollen sie auch nicht verschlechtern. Also ist von ihnen auch kein Wort über das Antihumane in Luthers Lehre und Leben zu erwarten. Sie werden stets die Jubiläen zu Ehren Luthers mehr oder weniger mitfeiern.
    Was machen da die Theologen, insbesondere Küng und Drewermann? Nun, ersterer will ja, wie sein jüngstes Buch erneut zeigt, noch immer die Kirche retten, indem er sie in einem begrenzten Maß protestantisiert. Insofern hat er kein Interesse daran, Luther zu kritisieren. Aber er hat natürlich ein Interesse, evangelische Leser auf seiner Seite zu haben und weitere zu gewinnen. Also lobt er in seinem 2011 erschienenen Buch Luther überschwenglich als den, der die katholische Kirche hätte retten können, wenn sie auf ihn gehört hätte: »Nicht der Reformator Luther (...), sondern das reformfeindliche Rom – und seine deutschen Handlanger – trugen die Hauptverantwortung dafür, daß es (...) zu einer Spaltung zwischen (grob gesagt) der nördlichen und der südlichen Hälfte des Reiches kam, die sich durch die koloniale Expansion der europäischen Mächte auch in Nord- und Südamerika fortsetzen sollte.«
    Küng preist weiter fast hymnisch »Luthers persönlichen reformatorischen Impetus wie seine ungeheure historische Sprengwirkung«. Kein Wort verliert er darüber, daß Luther durch seine haßerfüllten Hetzreden und Hetzschriften wesentlich zum Tod von Tausenden von Menschen beigetragen hat. Sollte Küng an diese armen Opfer von Luthers Dämonie überhaupt gedacht haben, dann wäre dieser flüchtige Gedanke in seiner belanglos-allgemeinen Aussage über Luther enthalten, daß »der auch Fehler gemacht hat«. Dieser kleine und niemals unzutreffende Nebensatz ist aber auch schon alles, was Küng an Negativem zu Luther eingefallen ist.
    Und auch Drewermann, zwar mit 65 aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten, hat das Katholische, das Allumfassende, das alle für Christus Gewinnende als ehemaliger Priester der Kirche keineswegs aufgegeben, wenn er weiterhin in großen und gut besuchten Vortragssälen alle Gläubigen und Nichtgläubigen dem großen Heiler, dem wichtigsten aller Therapeuten, nämlich Jesus, anempfiehlt. Noch kürzlich hat er aus irgendeinem Anlaß die gewaltige Befreiungstat Luthers öffentlich gelobt. Um bei den Protestanten zu punkten, kann er sich also Kritik an Luther gar nicht leisten.
    Kommt noch der dritte prominente Aufbegehrer, Gotthold Hasenhüttl, in Frage, der so »mutig« war, ein ökumenisches Abendmahl mit den Evangelischen zu feiern. Dem kann es nun aber am wenigsten daran gelegen sein, Luthers Perversionen und Obsessionen ans Tageslicht zu befördern, wo doch evangelische Kirchenzeitungen und Zeitschriften ihn wegen seines Mutes so gefeiert und ihm, dem im Vergleich zu Drewermann und Küng eher Unbekannten, eine große Öffentlichkeit verschafft haben. Wirklichen Mut hätte Hasenhüttl freilich gehabt, wenn er vor dem Eintritt in den Ruhestand Charakter gezeigt hätte, nicht bloß durch das Feiern des Abendmahls mit den protestantischen Glaubensbrüdern, sondern z.B. durch sein Outing, daß er das unnatürliche, menschenrechtswidrige Zölibatsgesetz in seiner eigenen Lebenspraxis als katholischer Priester gebrochen habe, indem er sich eine Frau nahm und mit ihr einen Sohn zeugte.
    All die theoretischen Ausführungen gegen das kirchliche Zölibatsgesetz seitens der Drewermanns, Hasenhüttls, Küngs haben ja nichts gebracht, haben die Kirchenhierarchie zu keinem Fortschritt bewegt. Wären die Drei aber vor die Öffentlichkeit getreten und hätten sie öffentlich bekannt, daß sie Frauen, Freundinnen, Lebensgefährtinnen hatten bzw. haben und daß sie ihr Outing auch als Protest gegen das widernatürliche Zölibatsgesetz verstanden wissen wollen und um vielen anderen Priestern die Angst vor einem solchen Outing zu nehmen, dann wäre das mutig und sogar wirksam gewesen! Denn ein Hindernis bei der Versöhnung der Kirchen stellt ja auch die Tatsache dar, daß die evangelischen Priester heiraten dürfen, die katholischen nicht.
    Allüberall hängt jeder Fortschritt in fast allen menschlichen Angelegenheiten vom Potential an Zivilcourage in einer Gesellschaft ab. Kriechertum bewirkt nichts (vgl. meine Bücher ›Herren und Knechte der Kirche‹ und ›Kritiker contra Kriecher‹), führt nur zur Unredlichkeit und Erschlaffung.
    Das hier vorliegende Buch entmythisiert, entmystifiziert, entdivinisiert ohne alle Einschränkungen und Verschleierungen Martin Luther, zeigt seine vergessenen, verdrängten, öffentlich tabuisierten und totgeschwiegenen Aspekte, um jedem an der vollen Wahrheit Interessierten die Möglichkeit zu geben, sich ein Gesamtbild von ihm als Charakter, Lehrer und Täter zu machen. Höchste Zeit, nach 500 Jahren die ganze Wahrheit ans Licht zu bringen, den ungeschminkten, ungeschönten Luther in seiner ernüchternden, befremdenden, ja auch erschreckenden Realität der Öffentlichkeit zu präsentieren, die kirchlich produzierte, staatlich geförderte Licht- und Kultgestalt des Reformators auf ihr wahres, weit geringeres Maß zurückzuführen! Keine Gesellschaft kann ohne schweren Schaden auf die Dauer mit und von der Lüge leben, auch wenn diese Lüge jahrhundertelang konserviert und präsentiert wurde. Nur die Wahrheit macht wirklich frei!





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